So, da bin ich wieder :) Die erste Schulwoche ist nun vorbei und ich genieße das Wochenende einfach nur so gut ich kann, denn es ist schon anstrengend, jeden Tag so früh aufzustehen und (manchmal) bis abends dort zu bleiben. Da fehlen mir die Ferien doch ein bisschen ;D
Jedenfalls haben wir gestern in Deutsch einen Text besprochen. Genauer eine Kalendergeschichte, und zwar von Peter Härtling. Sie heißt "Der Frierende". Die Geschichte besteht aus vier Abschnitten, allerdings hat unsere Lehrerin den letzten Abschnitt entfernt und wir sollten das Ende selber erfinden. Und mein Ende möchte ich euch heute zeigen. Es ist nicht perfekt, aber wir hatten auch nur ungefähr fünfzehn Minuten, um uns in die Geschichte hineinzuversetzen, uns ein Ende auszudenken und das auch noch aufzuschreiben.
Aber jetzt erstmal den Anfang der Geschichte :)
Der Frierende
Wahrscheinlich friert er seit seiner Geburt. Er hat sich anständig verhalten, hat die Hände aus den Taschen nehmen, bei Tisch aufrecht sitzen, hat die Leistungen aller Väter, die gekämpft und gearbeitet haben, würdigen müssen. Es war ihm aufgetragen, allen Vätern in seinem Vater Respekt zu erweisen und an dem Mann in sich selbst zu arbeiten. Aber er war schlaff und weich; lernte und leistete wenig; träumte, wich den väterlichen Forderungen aus. Aus ihm werde nichts. Aber auch gar nichts. So beschloss er, nichts zu werden. Um ihn herum wimmelte es von ungeschlagenen Schlägen und er durfte das Leben nicht anders sehn als ein Kampffeld. Die Stimme seines Vaters zerstörte seinen Schlaf. Er nahm Mittel, ihr zu entfliehen.
Mit achtzehn verließ er das Haus. Das Schweigen der Mutter ging ihm eine Weile nach. Er fand Unterschlupf in Wohngruppen, hielt es nirgendwo lange aus. Es wurde ihm vorgeworfen, er sei nicht fähig, auf andere einzugehen, sich zu binden. Stundenlang hockte er in Ecken, die Arme vor der Brust, starrte vor sich hin. Er sagte von sich selbst, es könne in ihm unheimlich leer sein. Manchmal nahm er Arbeiten an, half aus, doch nie auf Dauer.
Zufällig lernte er einen jungen Mann kennen, der ihn mit zu sich nach Hause nahm. In dessen Familie fühlte er sich wohl. Es hatte den Anschein, als müsse er nicht mehr frieren. Die Eltern seines Freundes boten ihm an zu bleiben. Er richtete sich ein. Keiner erwartete von ihm, dass er gleich nach einem Beruf suche, lerne. Es lachte ihn auch niemand aus, als er zu spielen begann wie ein Kind, die Tage mit Albernheiten verbrachte. Es wunderte ihn jedoch, dass die Leere in ihm sich nicht allmählich auffüllte und dass in seinen Träumen die Stimme seines Vaters immer drängender und lauter wurde. Er betäubte sich mit Rauschgift.
Das war der Teil, den wir lesen konnten. Dann wurde uns gesagt, wir sollen ein passendes Ende dazu schreiben. Und hier ist meins :) (Es schließt übrigens direkt an den ersten Teil an)
Er betäubte sich mit Rauschgift. Doch die Stimme blieb. Tag und Nacht hörte er sie, sie verfolgte ihn sogar in seinen Träumen.
Dann kam der Tag, an dem er es nicht mehr aushielt. Er packte seine Sachen zusammen und verließ die Familie seines Freundes. Es kam ihm falsch vor, dort zu bleiben. Er verdiente es nicht. Er war nur ein Nichts. Nun begann er wieder, von Wohngruppe zu Wohngruppe zu ziehen, das Rauschgift war dabei sein ständiger Begleiter.
Die Tage verschwammen, versanken im Nebel des gefährlichen Giftes. Jahre vergingen, in denen er weder eine Wohnung, noch eine Arbeit hatte. Die Kälte war immer bei ihm, ließ ihn beinahe erfrieren. Irgendwann konnte er nicht mehr. Er suchte sich einen geschützten Ort, wo er dann viel zu viel Gift zu sich nahm.
Und als er dort im Sterben lag, erkannte er auf einmal seine Umgebung. Nach so vielen Jahren war er nun wieder zurückgekehrt, zum Hause seiner Familie. Aber er hörte die Stimme nicht mehr, und die Kälte, sein treuer Begleiter, verwandelte sich endlich in die Wärme, nach der er sich so lange gesehnt hatte.
Wie findet ihr es? Wie gesagt, wir hatten nicht sehr viel Zeit und außerdem habe ich versucht, in dieser etwas altmodischeren Sprache zu schreiben :D
Jetzt seid ihr aber bestimmt neugierig, wie das "echte" Ende der Geschichte ist (ich war es jedenfalls :D). Aber ich muss sagen, ich finde es ziemlich schlecht und unrealistisch. Und mit so einem Ende hätte ich auf gar keinen Fall gerechnet (in meiner Klasse dachte auch so ziemlich jeder, dass er stirbt, aber so ist es ganz und gar nicht):
Als er in einer Nacht spät nach Hause kam, fühlte er sich besonders leicht und waghalsig. Er beschloss, mit dem Auto der Pflegeeltern nach Amsterdam zu fahren und dort einige Tage zu verbringen. Immer wieder war ihm von der schönen Freiheit dieser Stadt erzählt worden. Er ging ins Haus, suchte nach einer Axt, trat in das Schlafzimmer der Pflegeeltern, schlug erst auf den Mann, dann auf die Frau ein. Als er sie bluten sah, wimmern hörte, fror ihn wieder. Er legte die Axt auf einen Stuhl und rief die Polizei an. Er wisse nicht, weshalb er dies getan habe, doch vorher sei ihm richtig lustig zumute gewesen. Er weinte und war überrascht darüber. Sein Vater, hörte er im Gefängnis, wolle mit all dem nichts zu tun haben. Die Pflegemutter sagte vor Gericht für ihn aus. Er wurde zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Eure ehrliche Meinung? Wie findet ihr das Ende denn so? Habt ihr es euch so vorgestellt? :D Also wie gesagt, ich fand es schlecht und auch nicht so passend, wenn man den ersten Teil betrachtet. Nun ja, es gibt bestimmt jemanden, der die Kunst darin erkennt und es in den siebten Himmel lobt, aber ich bin das nicht, tut mir leid ;)